CUBE: »A Journey Into Jazz«

Beteiligte Institute:
Institut für Popularmusik
Institut für Musikleitung
Institut für Schauspiel und Schauspielregie
Institut für Komposition und Elektroakustik

»A Journey Into Jazz«

Auf den ersten Blick haben Jazzorchester und ein Symphonieorchester nicht viel gemeinsam, jedoch genau hier ergibt sich die spannende Frage, was passiert, wenn man diese beiden völlig unterschiedlich funktionierenden Klangkörper miteinander verbindet? „Third Stream“ stand vor über 60 Jahren für den Versuch eines Brückenschlages zwischen Klassik und Jazz, wo schon Leonhard Bernstein Aufführungspraktiken aus dem Jazz in die Klassik übersetzte. Wir möchten mit diesem Projekt noch einen Schritt weiter gehen und Elemente aus Tango, Blues, afrikanischer Musik, Pop- und DJ Kultur mit zeitgenössischer Klassik verbinden, die Stilistiken aber auch gegenüberstellen.

Jeder Klangkörper für sich funktioniert tatsächlich sehr unterschiedlich. Improvisation im Sinne eines jazzmusikalischen Musizierens, Groove und solistische Freiheit brauchen zum Teil auch sehr spezielle Aufführungspraktiken und stellen damit nicht nur neue Anforderungen an die Musiker sondern bieten auch dem Dirigenten als quasi Übersetzer einige Herausforderungen. Darüber hinaus wird mit Texten aus ausgesuchter Literatur von William Blake bis hin zu Simon & Garfunkel zusätzlich ein spannender Parameter geschaffen, der dem Gesamtwerk eine gewisse Nähe verleiht und auch die Texte selbst in völlig neuem Licht erscheinen lässt.

Die verschiedenen Translationsprozesse zwischen der sogenannten „Klassik“ und der sogenannten „Popularmusik“, die eine lange Geschichte haben und beständig neue Aktualität gewinnen, sollen in diesem Projekt hauptsächlich in Konzertform präsentiert werden. Die Mitwirkenden der beteiligten Institute (Musikleitung/Pro Arte Orchester, Popularmusik, Schauspiel & Schauspielregie) möchten aber auch die bei der Probenarbeit und den Aufführungen vor sich gehenden Übersetzungsprozesse beobachten („Wie erleben die beteiligten MusikerInnen die Begegnung von Klassik und Jazz/Pop? Welche Herausforderungen stellen sich und wie werden sie bewältigt? An welchen Stellen muss Neues gelernt werden? Welche Unterschiede gibt es zwischen den Aufführungsritualen in Klassik und Jazz/Pop?“).

Diesbezügliche Ergebnisse sollen in eine Präsentation des Projekts „Performing Diversity“ im Herbst 2015 einfließen. Der Wissenschaftsbereich des ipop (H. Huber, M. Fürnkranz) wird bei der Befragung der Mitwirkenden und deren Auswertung behilflich sein.

CUBE – Contemporary Urban Beats Ensemble

Das Contemporary Urban Beats Ensemble, kurz CUBE, wurde im WS 2013 am Institut für Popularmusik als orchestraler Klangkörper mit sehr offener künstlerischer Ausrichtung und unterschiedlicher Besetzung gegründet. Unter der Federführung des ipop werden in Zukunft verschiedenste Institutsübergreifende Projekte auf höchstmöglichem künstlerischen Niveau durchgeführt, die neben der künstlerischen Erfahrung für die Studenten auch die Förderung der Außenwirkung der MDW zum Ziel haben.

Für das Projekt „A Journey Into Jazz“ wurde eine Kooperation mit dem Institut für Musikleitung und dem Institut für Schauspiel und Schauspielregie angebahnt sowie die Lehrveranstaltung „MDW Crossover Orchestra 1,2“ (2 Semester/2 WStd) eingerichtet, die von Studierenden aller Studienrichtungen belegt werden kann.

KONZERT

Samstag, 9. Mai 2015 – RADIO KULTURHAUS WIEN Grosser Saal

1) Dangerous Liasons – Bert Joris

Der Titel nimmt Bezug auf die „gefährliche Liebschaft“ zwischen einer Bigband und einem Sinfonieorchester. Beide Orchester gehören in ihrem Genre jeweils zur größten Ensembleform und obwohl sie einiges gemeinsam haben, funktionieren sie doch vollkommen unterschiedlich.

Diese Gegensätze werden in diesem 15 minütigen Werk wunderbar herausgearbeitet und im Laufe des Werkes langsam miteinander verwoben, so dass gegen Ende beide Orchester zu einem Klangkörper verschmelzen. Dieses Werk gewann einige Preise in verschiedenen Crossover Kategorien.

2) A Journey Into Jazz Gunther Schuller

Dieses Stück fungiert als Namensgeber des Programmes weil es sehr schön den Rahmen dieses Konzertes umschreibt. In dieser ca. 16 minütigem Komposition von Gunther Schuller, die 1962 mit Leonhard Bernstein in der Rolle des Erzählers uraufgeführt wurde, steht einem großen Sinfonieorchester ein Jazzquintett gegenüber. Mit Fortdauer des Stückes werden die wichtigsten Bestandteile von Jazz und Klassik verdeutlicht und durch die bilderreiche Geschichte des kleinen Peter sehr anschaulich dargestellt: eine sehr interessante Form von Übersetzung.

3) Anna – Bert Joris

Ein großartiges sinfonisch-orchestrales Stück rund um einen Jazzsolisten – komponiert mit vielen Freiräumen für Improvisation.

4) Trancefactor – Horst-Michael Schaffer (Arrangeur: Colin Towns)

Dieses Stück ist wahrscheinlich das außergewöhnlichste des Abends weil die Ursprünge dieser Komposition weder in der Klassik noch im Jazz noch in der World Music zu finden sind. Ausgangspunkt ist die Übertragung von elektronischen Effekten wie Oszillator, Delay oder Whammy in die akustische Welt eines Orchesters. Diese Elemente, wie sie in der elektronischen Musik Gang und Gebe sind, so abzubilden, dass die minimalistische und repetitive Aura erhalten bleibt, ist eine große Herausforderung für alle Bläser. Über dieses Konglomerat von Groove und Effekten spannt ein Solist einen großen Bogen bevor es wieder zum Ausgangspunkt der Komposition – einer einfachen Sinuswelle – zurückgeht. De facto eine Übersetzung von elektronischer Musik in den Orchesterkontext.

5) Shades Of Tango – Horst-Michael Schaffer (Arrangeur: Colin Towns)

Dieses zweigeteilte Stück beginnt mit einem Tango und biegt mit einem völlig überraschenden Bruch in die Welt eines sehr schnellen High-Energy Swing Teiles ab. Sehr anspruchsvoll für die gesamte Rhythm Section und auch für den Dirigenten, der polyrhythmische Teile einzählen und dirigieren muss. Ein Grenzgang von einem Aspekt der World Music zum Jazz.

6) Alone At Last – Bert Joris

Dieses Stück ist ein Blues für zwei Jazzsolisten. Orchestral – mit hohem schrillem Blech und Pizzicato Streichern – beinhaltet dieses Stück die Essenz der ureigensten und ausdrucksstärksten Basis des Jazz!

7) The Magic Of Silence – Horst-Michael Schaffer

Dieses Werk ist eine Neuvertonung des Songtextes „A Sound Of Silence“ des bekannten Songwriter Duos Paul Simon und Art Garfunkel. Stille – ein Zustand der in unserer Gesellschaft immer mehr zum Ideal hochstilisiert wird – und die Sehnsucht nach dem vorübergehenden Anhalten der Zeit sind die zentralen Themen. Langsam, meditativ und mit sehr verwobenen Harmonien, ist dieses Stück eine Meditation für sich, worüber sich der wunderbar tiefsinnige Text des Songs entfalten kann.

Ansprechpartner:

Mag. art. Horst-Michael Schaffer – Institut für Popularmusik, Anton-von-Webern Platz 1, 1030 Wien, Tel.: +43 699 11349861, Email: hms@horstmichaelschaffer.com

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